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Digitale Räume feministischer gestalten: FEMNET setzt neue Schwerpunkte
FEMNET e.V. erweitert seine inhaltliche Arbeit um den Schwerpunkt “Digitale Gewalt, Gender Bias und Data Worker“. Im Mittelpunkt stehen dabei die Auswirkungen digitaler Technologien auf Frauen* und andere marginalisierte Gruppen – sowohl im Globalen Norden als auch im Globalen Süden. Der Verein nimmt insbesondere Misogynie und geschlechtsspezifische Gewalt im digitalen Raum, geschlechterbezogene Verzerrungen in KI-Systemen sowie die Arbeitsbedingungen von Click- und Data-Worker*innen in den Blick, die entlang der digitalen Lieferketten unsichtbare, aber zentrale Arbeit leisten.
Misogynie und geschlechtsspezifische Gewalt im digitalen Raum sind längst kein Randphänomen mehr. Studien zeigen, dass Frauen, insbesondere politisch aktive oder sichtbare Frauen, online systematisch belästigt, bedroht und herabgewürdigt werden – sei es in sozialen Medien, Foren oder Kommentarspalten. Diese Angriffe zielen nicht nur auf einzelne Personen, sondern sollen Frauen davon abhalten, sich öffentlich zu äußern, und tragen dazu bei, feministische Positionen zu delegitimieren.
Gleichzeitig reproduzieren und verstärken digitale Technologien bestehende Geschlechterungleichheiten. Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI) lernen aus historisch geprägten, oft männlich dominierten Datensätzen und verfestigen so Gender Bias: Stellenanzeigen, Kreditentscheidungen oder Personal-Software können Frauen systematisch benachteiligen, weil die zugrunde liegenden Daten Stereotype und Ausschlüsse marginalisierter Gruppen widerspiegeln, so das Bayrische Forschungsinstitut für Digitale Transformation. Ohne feministische Kritik an diesen Entstehungsbedingungen wird Technik zur unsichtbaren Verstärkerin von Ungleichheit.
Hinter vielen „intelligenten“ Diensten stehen zudem unsichtbare Arbeitende: sogenannte Click und Data Worker*innen, die Daten annotieren, moderieren und kontrollieren – etwa Inhalte für KI-Systeme bewerten, Hasskommentare filtern oder Bilder und Texte taggen. Diese Arbeit ist häufig schlecht bezahlt, psychisch belastend und stark geschlechtlich sowie global ungleich verteilt; sie bildet eine neue, transnationale digitale Lieferkette der Ausbeutung, die feministische Gewerkschafts- und Menschenrechtspolitik bisher nur unzureichend im Blick hat.
Vor diesem Hintergrund möchte FEMNET e.V. diese Themen stärker in den Fokus rücken und untersuchen, wie misogynische Strukturen im Netz entstehen, sich verbreiten und auf Frauen sowie marginalisierte Gruppen wirken. Zudem soll analysiert werden, wie Gender Bias in KI-Systemen entsteht und welche Machtverhältnisse sich darin widerspiegeln. Schließlich geht es darum, wie Arbeits‑, Macht‑ und Ausbeutungsverhältnisse in der digitalen Lieferkette aus feministischer Perspektive sichtbar gemacht und politisch angegangen werden können. Ein feministischer Blick auf den digitalen Raum bedeutet, nicht nur um einzelne „Hasskommentare“ zu ringen, sondern die zugrunde liegenden Machtstrukturen – von Plattformdesign über Datenökonomie bis hin zu Arbeitsbedingungen – zu hinterfragen und Verantwortliche in die Pflicht zu nehmen.
- Kategorie: FEMNET-Nachrichten